Geschichte Ehemaliges Hallenbad Nord

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Geschichte Ehemaliges Hallenbad Nord

Das Ehemalige Hallenbad Nord war einmal ein Schwimmbad in Ludwigshafen. Als bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne steht es unter Denkmalschutz.

1937 legte der Karlsruher Architekt Heinrich Müller im Auftrag der damaligen IG Farben erste Planungen für eine Sportanlage mit Schwimmhalle vor. Das Hallenbad sollte ein 25-Meter-Becken in einer lichtdurchfluteten Halle, Sprunganlage mit Ein- und Drei-Meter-Brett, ausreichenden Platz für Gymnastik sowie Wannen- und Brausebäder erhalten.

Im Sommer 1938 schrieb die IG Farben einen Wettbewerb aus. Unter den 70 eingereichten Entwürfen entschied sich die Jury unter der Leitung Müllers für den Entwurf der Architekten Heinrich Schmitt und Philipp Blaumer, die die Gesamtanlage nach antikem Vorbild um einen Atriumhof gruppierten. Gegenüber der eigentlichen Schwimmhalle sollte auf der anderen Seite des Hofes eine Eingangshalle entstehen und beide Baukörper durch die seitlich angeordneten, getrennten Umkleidebereiche für Männer und Frauen verbunden werden. Die Schwimmhalle öffnete sich durch eine großzügige Glaswand zu einer Sonnenterrasse. Im Untergeschoss war ein Lehrschwimmbecken vorgesehen. Anders als ursprünglich geplant, kam es nicht zu einer gemeinsamen Umsetzung mit der Sportanlage. Die Stadt Ludwigshafen stellte durch einen Grundstückstausch eine näher an der Wohnbebauung gelegene Fläche zur Verfügung. Zur Ausführung kam es jedoch nicht mehr: Da das Vorhaben rüstungswirtschaftlich nicht von Bedeutung war, wurde es im Mai 1939 abgelehnt. Nach Kriegsausbruch überließ die IG Farben die Pläne der Stadt Ludwigshafen für eine spätere Realisierung.

Im Vorfeld des 100-jährigen Stadtjubiläums 1953 erneuerte die nach der Zerschlagung der IG Farben wieder verselbständigte BASF ihr Angebot zu einer finanziellen Unterstützung und stellte 1 Million DM für den Bau zur Verfügung. Der Entwurf von 1938 wurde von Schmitt im Sinne der Nachkriegsmoderne überarbeitet. Das Grundkonzept des Atriumbaus blieb jedoch erhalten. Die ursprünglich als Walmdach konzipierte Dachkonstruktion wurde durch Flachdächer ersetzt, die Schwimmhalle durch Öffnung der Hofseite mit einer weiteren natürlichen Lichtquelle versehen. Entgegen der Vorkriegsplanung wurde eine Zuschauertribüne mit 300 Sitz- bzw. 600 Stehplätzen eingebaut. Mit Ausnahme der Schwimmhalle wurden sämtliche Gebäudeteile als Stahlbetonbauten mit Rippendecken ausgeführt. Die Eingangshalle an der Pettenkoferstraße wurde durch die Einrichtung eines Friseursalons und einer Milchbar funktional bereichert. Die Plastik Fliegender Genius von Georg Kolbe wertete die Eingangshalle zusätzlich auf. Im Obergeschoss wurden eine Wohnung und die Büros der Verwaltung eingerichtet. Die Seitenflügel nahmen unter anderem einen Saunabereich auf, der mit Mosaiken von Rolf Müller-Landau ausgeschmückt wurde. 1956 wurde das Bad eröffnet.

2001 erfolgte nach 45 Jahren die Schließung. Die Schwimmhalle mit Pumpenkeller wurde nach zwölf Jahren „Dornröschenschlaf“ Ende 2013 von der GML erworben. Zuvor hatte die Stadt Ludwigshafen das Grundstück an der Schwimmhallen-Außenwand zum Innenhof hin in zwei Grundstücke aufgeteilt. Die GML vollzog eine Nutzungsänderung der Schwimmhalle und baute das Gebäude um. Unter Beachtung des Denkmalschutzes mit weitest gehendem optischen Erhalt wurde aus dem ehemaligen Schwimmbecken eine Löschwasser-Bevorratung für eine Million Liter Wasser. Eine solche war nach einem Großbrand im Oktober 2010 zur zusätzlichen Genehmigungsauflage der GML geworden. Die Löschwasser-Bevorratung ging im Mai 2015 in Betrieb.

Nach Realisierung der Löschwasser-Bevorratung in 2015, wurde der Schwimmhalle im Oktober 2016 – zum 60. Jubiläum des Gebäudes – die Bezeichnung LUcation – Ehemaliges Hallenbad Nord verliehen. Es war damit die erste der LUcations in Ludwigshafen – außergewöhnliche Orte in LU für Kultur (https://www.lucations.de/). Seitdem findet jedes Jahr zwischen März und Oktober in der ehemaligen Schwimmhalle ein buntes Kulturprogramm statt, weil die GML als Gastgeberin die Halle Kultur schaffenden Veranstaltern kostenfrei zur Verfügung stellt und dort zusätzlich eigene Umweltschutz-Veranstaltungen in der Reihe GML-QUERdenken durchführt (https://www.gml-ludwigshafen.de/gml-veranstaltungen). Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen ist in dem GML-Gebäude das neue GML-Informationszentrum DIE VIER ELEMENTE untergebracht (https://www.gml-ludwigshafen.de/die-vier-elemente). Der Eingang zur LUcation – Ehemaliges Hallenbad Nord befindet sich in der Erzbergerstraße 12.

Der andere Gebäudeteil – das Foyer und die beiden Seitenflügel mit Umkleiden, „Helmut-Kohl-Sauna“ und Lehrschwimmbecken – wurde 2016 von den Technischen Werken Ludwigshafen erworben und teilweise zum Innovations- und Kulturzentrum FREISCHWIMMER umgebaut (ein anderer Gebäudeteil wurde für den Zweck der späteren Vermietung umgebaut). Der FREISCHWIMMER bietet hochkarätige Kulturveranstaltungen und Seminare für die Zukunftsgestaltung von Unternehmen und die kontinuierliche Fortbildung von Fach- und Führungskräften sowie Räumlichkeiten für Konferenzen und Events. Information sind unter: https://freischwimmer.lu/ zu finden. Der Eingang zum FREISCHWIMMER befindet sich in der Pettenkoferstraße 9.

Beide Objekte werden von der FREISCHWIMMER GmbH und der GML zwar getrennt genutzt und entwickelt. Gleichwohl agieren beide Betreiber aber als Partner und kooperieren miteinander; es sind also auch gemeinsame Veranstaltungen möglich, wie z.B. am jährlichen Tag des offenen Denkmals jeweils Mitte September.

Quelle: u.a. GML und Wikipedia


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